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Von Finanzkrise sehen sich Bürger kaum persönlich betroffen – Aber Unmut über hohe Lebensmittelpreise

Hamburg und Rochester, N.Y. – 14. April 2008 – Europäer und Amerikaner fühlen sich von der derzeitigen internationalen Finanzkrise persönlich weitgehend nicht betroffen. Große Sorgen bereiten ihnen allerdings die steigenden Preise für Lebensmittel und Energie. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Financial Times /Harris Interactive. Befragt wurden jeweils mehr als 1.000 Bürger der fünf großen europäischen Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und den USA. Nur die Italiener schätzen die Bedeutung der Finanzkrise etwas höher ein: Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, die Krise habe großen oder größeren Einfluss auf ihr tägliches Leben. In Deutschland sind 81 Prozent und in Großbritannien 77 Prozent der Befragten der Ansicht, von der Bankenkrise nicht oder kaum persönlich betroffen zu sein. Selbst Amerikaner spüren der Umfrage zufolge zu 61 Prozent keine oder kaum direkte Auswirkungen.

Große Uneinigkeit herrscht darüber, ob staatliche Hilfen an notleidende Banken fließen sollten. So sind immerhin 27 Prozent der befragten Deutschen der Ansicht, weder die Europäische Zentralbank noch die Bundesregierung sollten in der Krise intervenieren; diese Ablehnung ist vergleichsweise hoch. Andererseits sind 24 Prozent der Deutschen dafür, dass die betroffenen Banken von beiden Seiten unterstützt werden sollten. Auch in den anderen europäischen Ländern herrscht die Ansicht vor, dass umfassende staatliche Unterstützung zur Bewältigung der Krise nötig ist – besonders deutlich in Spanien (57 Prozent) und Italien (43 Prozent); in Großbritannien und den USA ist jeweils jeder Dritte dieser Ansicht.

Weitgehend einig sind sich die Europäer darüber, dass ein europaweit gemeinsames Vorgehen im Umgang mit notleidenden Banken nötig ist – nur die Engländer scheren etwas aus: Die Hälfte der Befragten in Großbritannien findet, dass es den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen werden sollte, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In Deutschland (32 Prozent) und Frankreich (29 Prozent) ist fast jeder Dritte dieser Ansicht. 49 der Deutschen, 51 Prozent der Franzosen, 64 Prozent der Spanier und sogar 68 Prozent der Italiener sind für ein gemeinsames Vorgehen.

Wie aber schätzen die Bürger ihre eigene Lebenssituation künftig ein? Amerikaner, Deutsche und Spanier (38/41/43 Prozent) glauben, dass ihre persönliche finanzielle Situation im kommenden Jahr weitgehend unverändert bleibt. Pessimistischer sind der FT/Harris-Umfrage zufolge Franzosen, Italiener und Engländer. Eine Mehrzahl von ihnen – in Frankreich sogar fast die Hälfte – erwartet, dass sich ihre finanzielle Lage verschlechtern wird. An eine Verbesserung glaubt immerhin fast jeder dritte Amerikaner (31 Prozent) und nahezu jeder vierte (23 Prozent) Deutsche.

Nahezu einhellig klagen die meisten Bürger der befragten Staaten über steigende Lebensmittel- und Energiepreise. Nur in Italien wird dieses Problem noch durch Unmut über generell sinkende Kaufkraft und hohe Steuern getoppt. USA, Spanien und Deutschland (46/43/37 Prozent) aber auch Frankreich (42 Prozent) und Großbritannien (40 Prozent) nennen Lebensmittel- und Energiepreise als größtes Problem ihres Landes. Die hohe Steuerlast steht bei Engländern mit 25 Prozent, bei Deutschen mit 22 Prozent an zweiter Stelle der Negativliste. Vergleichsweise niedrig dagegen die Sorge über Arbeitslosigkeit: Lediglich 12 Prozent der Deutschen, 10 Prozent der Spanier und 9 Prozent der Italiener sehen die Beschäftigung als wichtigstes Problem.

Dementsprechend hoch ist die Unzufriedenheit der Bürger mit ihren jeweiligen Regierungen und deren Maßnahmen, die vordringlichsten Probleme in den Griff zu kriegen. Großbritannien (68 Prozent), Deutschland (52 Prozent) und Frankreich (50 Prozent) führen die Riege der Unzufriedenen an; aber auch in den USA finden 51 Prozent der Befragten, die Regierung sollte mehr tun. So „einigermaßen zufrieden" sind immerhin noch 42 Prozent der Amerikaner, 41 Prozent der Deutschen und Italiener und 40 Prozent der Spanier.

Methodologie

Dieser FT/Harris Poll wurde online von Harris Interactive durchgeführt. Befragt wurden 6.434 Erwachsene (16 – 64 Jahre) in Deutschland (1.028), Frankreich (1.114), Großbritannien (1.122), Spanien (1.012) und den USA (1.053) und Personen (18 – 64 Jahre) in Italien (1.105) zwischen dem 27. März und 8. April

2008. Die Angaben wurden nach Alter, Geschlecht, Ausbildung, Region und Internetnutzung gewichtet, um sie der allgemeinen Bevölkerungsstruktur anzugleichen. Dazu wurde das Propensity-Score-Weighting angewendet, das die Wahrscheinlichkeit, mit der die Befragten Onliner sind, angemessen berücksichtigt.

Vollständige Datentabellen sind auf Anfrage verfügbar.

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