Mehrheit der Bürger für Politiker-Boykott
von Olympia-Eröffnungsfeier
21. Mai 2008 – Hamburg und London – Europäer, Amerikaner und Japaner sind wegen
der Tibetkrise mehrheitlich gegen eine Teilnahme ihrer Regierungschefs an den
Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele in China. Wie eine aktuelle
Umfrage der Financial Times /Harris Interactive weiter ergab, ist das Interesse
an den Vorgängen in Tibet international nach wie vor sehr groß. Befragt wurden
jeweils mehr als 1.000 Bürger der fünf großen europäischen Länder Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und den USA und Japan zwischen dem
30. April und dem 14. Mai – also größtenteils vor der Erdbebenkatastrophe vom
12. Mai in China und vor dem Deutschland-Besuch des Dalai Lamas, dem religiösen
Oberhaupt der Tibeter.
In Deutschland meinen 55 Prozent, Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte wie geplant
nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen. In Frankreich meinen dies 54 Prozent für
Nicolas Sarkozy; 48 Prozent der Italiener möchten, daß Silvio Berlusconi der Eröffnung
fernbleibt. Auch in Japan (45 Prozent), den USA (43 Prozent) und Großbritannien (43 Prozent)
sind die Ablehner zahlreicher als die Befürworter. Etwa jeder Dritte ist dagegen der
Ansicht, der Regierungschef seines Landes sollte an der Eröffnung teilnehmen.
Die meisten Bürger der befragten Länder fühlen sich gut informiert über den Konflikt in der
chinesischen Provinz. In China selbst gaben 96 Prozent an, viel oder zumindest ein wenig
über die Autonomiebestrebungen Tibets zu wissen. Für eine Unabhängigkeit Tibets gibt es
eine breite Mehrheit: Italiener (75 Prozent), Deutsche (74 Prozent), Franzosen (67 Prozent),
US-Amerikaner (59 Prozent) und Japaner (69 Prozent) sind für ein eigenständiges Tibet ohne
chinesischer Vorherrschaft. Allerdings ist auch die Zahl der Unentschlossenen groß: So ist
sich in Großbritannien fast jeder Zweite (42 Prozent) nicht sicher, ob eine Unabhängigkeit
Tibets wirklich die beste Lösung wäre.
Eine breite Übereinstimmung mit deutlichen Mehrheiten gibt es hingegen in Europa und den USA in
der Forderung, die Einhaltung der Menschenrechte in den Fokus der Außenpolitik ihres Landes zu
stellen. Die Ausnahme ist China: Dort sind zwar knapp die Hälfte (45 Prozent) für einen
verstärkten Einsatz für die Menschenrechte, allerdings auch 38 Prozent dagegen.
Vollständige Datentabellen
http://www.harrisinteractive.com/news/FTHarrisPoll/HI_FinancialTimes_HarrisPoll_May2008.pdf
Methodologie
Dieser FT/Harris Poll wurde online von Harris Interactive durchgeführt. Befragt wurden
8.748 Erwachsene (16 – 64 Jahre) in Deutschland (1.106), Frankreich (1.288), Großbritannien
(1.088), Spanien (1.120) und den USA (1.046) und Personen (18 – 64 Jahre) in Italien (1.087)
und Japan (1.002) und Erwachsene (18-60 Jahre) in China (1.011) zwischen dem 30. April und
14. Mai 2008. Die Angaben wurden nach Alter, Geschlecht, Ausbildung, Region und Internetnutzung
gewichtet, um sie der allgemeinen Bevölkerungsstruktur anzugleichen. Dazu wurde das Propensity-Score-Weighting
angewendet, das die Wahrscheinlichkeit, mit der die Befragten Onliner sind, angemessen berücksichtigt.
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