Lebensstandard sinkt: Bürger sparen bei Essen, Kleidung und Reisen – Schlechtes Zeugnis für Bundesregierung
Hamburg und London – 28. August 2008 – Die weltweit angespannte Wirtschaftslage hat Lebensstandard und Lebensstil der meisten europäischen Bürger verschlechtert. An fast allem wird gespart: an Essen – insbesondere an teuren Restaurantbesuchen –, kulturellen Aktivitäten, Anschaffungen und Reisen. Das ergab die Monats-Umfrage der Financial Times /Harris Interactive, für die Bürger der fünf großen europäischen Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und den USA zwischen dem 30. Juli und 12. August befragt wurden.
So schätzen 56 Prozent der Deutschen ihre persönliche finanzielle Situation verglichen mit der vor einem Jahr als schlechter ein, 17 Prozent halten sie sogar für deutlich schlechter. In Großbritannien teilen 72 Prozent diese Einschätzung; fast jeder dritte Engländer empfindet seine Lage als deutlich schlechter. In Italien sind es 67 Prozent, denen es ihrer Meinung nach schlechter geht als ein Jahr zuvor, In Spanien 61, Frankreich 60 und den USA 56 Prozent. Nur etwa jeder Zehnte meint, sein Lebensstandard habe sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert.
Die Bürger sehen sich gezwungen, ihren Lebensstil der Wirtschafts- und Einkommenssituation anzupassen und ziehen die Ausgabenschraube kräftig an:
81 Prozent der Deutschen gehen weniger in Restaurants, Bars oder ins Kino. 68 Prozent sparen bei Konsumausgaben wie Kleidung, 28 Prozent verschieben größere Neuanschaffungen wie Autos oder Möbel, 66 Prozent sparen bei täglichen Lebensmitteln und kaufen mehr bei Discountern ein. Jeder Dritte verzichtet öfter aufs Auto und nutzt stattdessen öffentliche Verkehrsmittel und jeder Fünfte gibt an, seine Reisegewohnheiten zu ändern und mehr im Inland als im Ausland Urlaub zu machen.
Die Bevölkerung macht dafür neben der Wirtschaft vor allem die Politik verantwortlich. In den befragten Ländern sind fast neun von zehn Bürgern der Ansicht, die Wirtschaft ihres jeweiligen Landes befinde sich seit einem Jahr auf Talfahrt. Allein die Deutschen sind etwas optimistischer: „Lediglich“ 58 Prozent sehen einen wirtschaftlichen Abschwung. Wie in keinem anderen europäischen Land wird in Deutschland der Politik die Schuld dafür gegeben. 93 Prozent der deutschen Bürger machen die Bundesregierung verantwortlich. Nur 6 Prozent sehen eine geringe „Mitschuld“ und 2 Prozent gar keinen Zusammenhang. In den anderen befragten Ländern ist diese Schuldzuweisung ebenfalls deutlich, wenn auch nicht ganz so groß (zwischen 73 und 89 Prozent).
Als besonders schlecht beurteilen die Deutschen die Versuche der Regierung, einem Wirtschaftsabschwung mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken. Jeder Zweite (55 Prozent) meint, die Koalition mache ihre Arbeit schlecht, jeder Dritte bewertet die Leistung sogar als „katastrophal“ – europaweit das schlechteste Zeugnis. 31 Prozent der Deutschen wollen daraus Konsequenzen ziehen: Sie sagten, die Entwicklung werde Einfluss auf ihre nächste Wahlentscheidung haben. 12 Prozent meinten, sie werden gar nicht wählen und 17 Prozent zeigten sich noch unentschlossen.
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Methodik
Dieser FT/Harris Poll wurde online von Harris Interactive durchgeführt. Befragt wurden 6.134 Erwachsene (16 – 64 Jahre) in Deutschland (1.001), Frankreich (959), Großbritannien (1.082), Spanien (1.025) und den USA (1.044) und Personen (18 – 64 Jahre) in Italien (1.023) zwischen dem 30. Juli und 12. August. Die Angaben wurden nach Alter, Geschlecht, Ausbildung, Region und Internetnutzung gewichtet, um sie der allgemeinen Bevölkerungsstruktur anzugleichen. Dazu wurde das Propensity-Score-Weighting angewendet, das die Wahrscheinlichkeit, mit der die Befragten Onliner sind, angemessen berücksichtigt.
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