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Internationale Umfrage: Bürger wollen Kapitalismus an die staatliche Leine legen – Angst um Spareinlagen

22. Oktober 2008 – Hamburg und Rochester, N.Y. - Die Mehrheit der Europäer und der Amerikaner sieht trotz der Finanzkrise keine Alternative zum Kapitalismus. Allerdings sollte der Staat stärker regulierend und kontrollierend eingreifen, um derartige Krisen künftig auszuschließen. Dieser Ansicht sind Deutsche, Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier und Amerikaner, wie die große internationale Monats-Umfrage der Financial Times und des Marktforschungsunternehmens Harris Interactive ergab. Befragt wurden mehr als 1.000 Bürger der jeweiligen Länder zwischen dem 1. und 13. Oktober.

So ist fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) der Ansicht, dass nicht das kapitalistische System selbst zur Krise führte, sondern Missbrauch und Profitdenken von Managern, Banken, Investoren und Anlegern. Das meinen auch Franzosen (68 Prozent), Spanier (62 Prozent), Italiener (64 Prozent), Engländer (52 Prozent) und Amerikaner (66 Prozent).

Ein Desaster wie derzeit an den internationalen Finanzmärkten darf sich keinesfalls noch einmal wiederholen, da sind sich alle Bürger einig. 70 Prozent der Deutschen rufen nach einem stärkeren Staat – sowie 81 Prozent der Italiener, 68 Prozent der Franzosen, 61 Prozent der Spanier und 59 Prozent der Engländer. Sogar 63 Prozent der Amerikaner – dem Mutterland der freien Marktwirtschaft – haben den bedingungslosen Glauben an die Selbstheilungskräfte des Marktes verloren und sind für stärkere staatliche Regulierung.

Geht es um die Verwendung von Steuergeldern zur Bewältigung der Krise und zur Stützung notleidender Banken, ist einerseits zähneknirschende Zustimmung, aber auch zornige Ablehnung erkennbar. Mehr als die Hälfte der Deutschen (56 Prozent) und knapp die Hälfte der Engländer (49 Prozent) ist für staatliche Unterstützung von durch die Finanzkrise betroffenen Banken. Franzosen, Italiener und Amerikaner sind mehrheitlich dagegen. Auch in Deutschland sind 38 Prozent der Befragten gegen derartige Staatshilfen.

Etwa jeder zweite Europäer hat Angst um seine Ersparnisse und Bankeinlagen. 46 Prozent der Deutschen glauben, dass ihr Vermögen durch die Bankenkrise unsicherer geworden ist. Das Ansehen der Banken und Kreditinstitute sei in der Folge massiv gesunken, meinen fast Zweidrittel (73 Prozent) der Deutschen. 80 Prozent der Deutschen stimmen daher einer Deckelung von Manager-Gehältern der betroffenen Banken zu. Ähnlich deutlich äußerten sich auch die Bürger der anderen befragten Länder.

Verhältnismäßig groß ist das Vertrauen der Bürger in die Fähigkeiten des jeweils eigenen Staatslenkers. So glauben 70 Prozent der Deutschen an das Krisenmanagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Mehrheit der Befragten glaubt immerhin auch, dass die Europäische Gemeinschaft gemeinsam mit den USA die Krise bewältigen könnte. Etwa jeder Dritte glaubt dieses allerdings eher weniger.

Die komplette Umfrage erhalten Sie unter:
http://www.harrisinteractive.com/news/FTHarrisPoll/HI_FinancialTimes_HarrisPoll_October2008.pdf


Methodologie

Dieser FT/Harris Poll wurde online von Harris Interactive durchgeführt. Befragt wurden 6.276 Erwachsene (16 – 64 Jahre) in Deutschland (1.063), Frankreich (1.075), Großbritannien (1.046), Spanien (1.006) und den USA (1.064) und Personen (18 – 64 Jahre) in Italien (1.022) zwischen dem 1. und 13. Oktober. Die Angaben wurden nach Alter, Geschlecht, Ausbildung, Region und Internetnutzung gewichtet, um sie der allgemeinen Bevölkerungsstruktur anzugleichen. Dazu wurde das Propensity-Score-Weighting angewendet, das die Wahrscheinlichkeit, mit der die Befragten Onliner sind, angemessen berücksichtigt.

Die ungewichteten Basen der Studie sind: Gesamt (6.276), Deutschland (1.063), Frankreich (1.075), Großbritannien (1.046), Italien (1.022), Spanien (1.006), und USA (1.064). Die gewichteten Basen der Studie sind: Gesamt (6.275), Deutschland (1.063), Frankreich (1.075), Großbritannien (1.046), Italien (1.022) Spanien (1.006) und USA (1.064).

Alle Stichproben und Befragungen, gleichgültig ob auf der Basis einer Zufallsstichprobe oder nicht, unterliegen mehreren möglichen Fehlerquellen, die meist nicht korrigiert oder eingeschätzt werden können. Diese können Stichprobenfehler, Abdeckungsfehler, Fehler im Zusammenhang mit unbeantworteten Fragen, Fehler der Fragestellung, der Antwortoptionen und der Gewichtung nach Abschluss der Befragung beinhalten. Harris Interactive vermeidet daher den Ausdruck „Fehlergröße“, da dieser sich als irreführend erweisen kann. Es ist lediglich möglich, verschiedene mögliche Stichprobenfehler mit verschiedenen Wahrscheinlichkeiten für reine, ungewichtete Zufallsstichproben mit einer 100%igen Beantwortungsrate zu errechnen. Dies ist jedoch nur theoretisch möglich, da Befragungen, gleich welcher Art, dieses Ideal niemals erreichen.

Die für die Umfrage befragten Personen wurden aus solchen Personen ausgewählt, die einer Befragung durch Harris Interactive zugestimmt haben. Alle Daten wurden gewichtet, um die Zusammenstellung der erwachsenen Bevölkerung der jeweiligen Länder zu reflektieren. Datentabellen sind auf Anfrage erhältlich. Diese Stellungnahme entspricht den Veröffentlichungsprinzipen des National Council on Public Polls und des British Polling Council.


Über Harris Interactive

Harris Interactive ist eines der weltweit führenden Marktforschungsinstitute in der Ad-hoc Forschung. Wir unterstützen unsere Kunden darin, Ergebnisse zu erzielen: Mit unserer langjährigen Erfahrung in der multimodalen Forschung, umfassender Methodenkenntnis und innovativem Technologieeinsatz. Harris Interactive dient Kunden in aller Welt über Niederlassungen in Nordamerika, Europa und Asien. Finden Sie mehr heraus unter www.harrisinteractive.deoder www.harrisinteractive.com.



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