Internationale Umfrage: Wut auf gierige Manager steigt: über 80 Prozent der Deutschen halten sie für unmoralisch und überbezahlt – Staat sollte Boni zurückfordern
Hamburg und Rochester, N.Y. - 16. April 2009 - Das Ansehen von Managern in der Bevölkerung könnte schlechter kaum sein: Zweidrittel der Deutschen haben durch die Finanz- und Wirtschaftskrise eine deutlich schlechtere Meinung von Führungskräften, 88 Prozent halten sie für überbezahlt und 81 Prozent für unmoralisch. Wie die aktuelle Monats-Umfrage des Marktforschungsunternehmens Harris Interactive und der Financial Times ergab, fordern 82 Prozent der Deutschen, dass Manager von Unternehmen, die mit Steuergeldern unterstützt werden, bereits erhaltene Boni oder hohe Pensionsgelder zurückzahlen müssen. Befragt wurden insgesamt 6.449 Bürger der fünf großen europäischen Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien sowie der USA zwischen dem 25. und 31. März 2009.
Millionengehälter, die Bank-Vorstände trotz hoher Verluste ihrer Institute kassieren, hohe Abfindungen und Pensionszahlungen - besonders die Deutschen haben die Nase voll von der Mitnahmementalität vieler Manager und sind immer weniger bereit, zwischen Unschuldigen und schwarzen Schafen zu unterscheiden. So sind 65 Prozent grundsätzlich dafür, dass Boni künftig einen geringeren Anteil des Gehalts von Führungskräften ausmachen sollten. Franzosen, Italiener und Spanier sehen dies mehrheitlich genauso. Briten und Amerikaner sind etwas anderer Ansicht. Dort ist nur jeder Dritte für eine solche Maßnahme. Genauso viele, also ebenfalls jeder Dritte, ist dagegen. Dort ist der Glaube an Wirkung und Umsetzbarkeit leistungsbezogener Vergütung also offenbar noch nicht so erschüttert wie hierzulande
Hin- und hergerissen zwischen Wunsch und Wirklichkeit sind dennoch die meisten der Ansicht, dass Führungskräfte die beste Leistung erbringen oder am besten motiviert sind, wenn sich ihr Gehalt auch am Gewinn des Unternehmens orientiert. Das meinen 54 Prozent der Deutschen, 57 Prozent der Amerikaner, 65 Prozent der Spanier, 57 Prozent der Italiener, 48 Prozent der Briten und 54 Prozent der Franzosen. Gleichzeitig fordern die Bürger aber auch eine größere Sozialverantwortung von der Wirtschaft ein. So sind 71 Prozent der Deutschen, 76 Prozent der Franzosen und 55 Prozent der Briten dagegen, dass Dividenden an Aktionäre ausgezahlt werden, wenn das Unternehmen andererseits gleichzeitig Arbeitsplätze abbaut. Amerikaner sind in dieser marktwirtschaftlich grundlegenden Frage interessanterweise gespalten: 35 Prozent sind gegen Dividendenzahlungen bei gleichzeitigem Jobabbau, 15 Prozent dafür und 50 Prozent sind unentschlossen.
Grenzenlose Einigkeit gibt es in der Antwort auf die Frage, welches Ziel für Unternehmen in Krisenzeiten absolute Priorität haben sollte. Neun von zehn Befragten meinen, dass die Sicherung der Arbeitsplätze ganz oben auf der Agenda der Wirtschaftslenker stehen muss.
Diese Mitteilung ist mit Quellenangabe zur Verwendung frei. Die komplette Umfrage erhalten Sie unter
http://www.harrisinteractive.com/news/FTHarrisPoll/HI_FinancialTimes_HarrisPoll_EconomicCrisis_Apr15_09.pdf
Methodik
Die Umfrage wurde online von Harris Interactive durchgeführt. Befragt wurden 6.449 Erwachsene in Deutschland (1.021), Frankreich (1.093), Großbritannien (1.164), Spanien (1.029) und den USA (1.078) und Italien (1.064). Die Angaben wurden nach Alter, Geschlecht, Ausbildung, Region und Internetnutzung gewichtet, um sie der allgemeinen Bevölkerungsstruktur anzugleichen. Dazu wurde das Propensity-Score-Weighting angewendet, das die Wahrscheinlichkeit, mit der die Befragten Onliner sind, angemessen berücksichtigt
Die ungewichteten Basen der Studie sind: Gesamt (6.165), Deutschland (1.074), Frankreich (1.034), Großbritannien (1.111), Italien (997), Spanien (949), und USA (1.000). Die gewichteten Basen der Studie sind: Gesamt (6.165), Deutschland (1.074), Frankreich (1.034), Großbritannien (1.111), Italien (997) Spanien (949) und USA (1.000).
Alle Stichproben und Befragungen, gleichgültig ob auf der Basis einer Zufallsstichprobe oder nicht, unterliegen mehreren möglichen Fehlerquellen, die meist nicht korrigiert oder eingeschätzt werden können. Diese können Stichprobenfehler, Abdeckungsfehler, Fehler im Zusammenhang mit unbeantworteten Fragen, Fehler der Fragestellung, der Antwortoptionen und der Gewichtung nach Abschluss der Befragung beinhalten. Harris Interactive vermeidet daher den Ausdruck „Fehlergröße“, da dieser sich als irreführend erweisen kann. Es ist lediglich möglich, verschiedene mögliche Stichprobenfehler mit verschiedenen Wahrscheinlichkeiten für reine, ungewichtete Zufallsstichproben mit einer 100%igen Beantwortungsrate zu errechnen. Dies ist jedoch nur theoretisch möglich, da Befragungen, gleich welcher Art, dieses Ideal niemals erreichen.
Die für die Umfrage befragten Personen wurden aus solchen Personen ausgewählt, die einer Befragung durch Harris Interactive zugestimmt haben. Alle Daten wurden gewichtet, um die Zusammenstellung der erwachsenen Bevölkerung der jeweiligen Länder zu reflektieren. Datentabellen sind auf Anfrage erhältlich. Diese Stellungnahme entspricht den Veröffentlichungsprinzipen des National Council on Public Polls und des British Polling Council.
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