Umdenken durch Fukushima – 66 Prozent der Deutschen für Atomausstieg – Mehrheit hält Energiewende für möglich
Hamburg und Rochester, New York – 09. Mai 2011 – Nach dem Unfall in dem japanischen
Atomkraftwerk Fukushima sind 66 Prozent der Deutschen für einen Ausstieg aus der Nuklearenergie, 83 Prozent halten
eine Energiewende innerhalb der nächsten 30 Jahre für möglich. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens
Harris Interactive in Kooperation mit der Financial Times. Befragt wurden insgesamt 5181 Bürger der fünf großen
europäischen Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien zwischen dem 30. März und dem 4. April.
Nur 19 Prozent der Deutschen sind noch für die Nutzung der Kernenergie, 15 Prozent sind unentschieden. Wobei die Ablehnung
von Atomkraft bei den Frauen (72 Prozent) größer ist als bei den Männern (60 Prozent). Insgesamt sind die Deutschen damit
entschlossener für einen Ausstieg als die meisten ihrer europäischen Nachbarn: 36 Prozent der Franzosen, 47 Prozent der
Spanier und lediglich 30 Prozent der Briten sind für eine Abkehr von der Kernkraft. Allerdings zeigten sich in diesen
Ländern verhältnismäßig viele Menschen unentschlossen – sie sind also weder dagegen noch dafür. Allein die Italiener
sind mit 67 Prozent noch größere Atomkraftgegner.
Nach dem Vorfall in Japan sind mehr als die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) besorgter als zuvor, für 39 Prozent hat sich
dadurch nichts an ihrer bisherigen Haltung geändert. Auch hier zeigen die Frauen (64 Prozent) sich deutlich betroffener als
die Männer (46 Prozent).
Gute Chancen für Energiewende
Interessant ist, dass Ältere die Nuklearenergie insgesamt offenbar kritischer sehen als Jüngere. So sind in der Gruppe
der 55 bis 64-Jährigen 70 Prozent gegen Atomkraft und in der Gruppe der 25 bis 34-Jährigen „nur“ 62 Prozent. Nach dem Vorfall
in Japan hat sich diese Tendenz sogar noch verstärkt (62 zu 43 Prozent).
Die Deutschen sind hinsichtlich einer Energiewende vergleichsweise optimistisch. 83 Prozent glauben, dass es gelingen kann,
innerhalb der nächsten 30 Jahre ganz auf Erneuerbare Energien umzustellen. Das glauben aber lediglich 68 Prozent der Franzosen,
74 Prozent der Briten und 75 Prozent der Spanier. Wobei die höheren Einkommensschichten in Deutschland zuversichtlicher sind
(91 Prozent) als die geringer Verdienenden (78 Prozent).
Wenig Vertrauen haben die Deutschen in die Zuverlässigkeit der Kraftwerksbetreiber. Nur 56 Prozent halten sie für
glaubwürdig oder einigermaßen glaubwürdig, 39 Prozent vertrauen ihnen nicht.
Diese Mitteilung ist mit Quellenangabe zur Verwendung frei.
Methodologie
Die Umfrage wurde online von Harris Interactive durchgeführt.
Befragt wurden insgesamt 5181 Erwachsene in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.
Durch eine Propensity-Gewichtung werden die Angaben der Befragten an die allgemeine
Bevölkerungsstruktur angepasst, so dass die Ergebnisse der Online-Befragung als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung
angesehen werden können, sowohl in Bezug auf Einstellungs- und Verhaltensmerkmale als auch auf demografische Merkmale.
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