Maßnahmen zur Schuldenkrise: Mehrheit der Deutschen will Gürtel enger schnallen – und Reiche stärker zur Kasse bitten
Hamburg und Rochester, New York – 14. Juli 2011 – 66 Prozent der Deutschen halten angesichts
des weltweiten Schuldenproblems Ausgabenkürzungen des Staates für unumgänglich. Jeder Dritte (34 Prozent) befürchtet hingegen,
dass Sparmaßnahmen den Konjunkturmotor abwürgen und der Wirtschaft daher eher schaden könnten.
43 Prozent der Deutschen ist es lieber, wenn die Regierung die Ausgabenschraube anzieht, statt Steuern zu erhöhen.
Weitere 41 Prozent sind für eine Kombination beider Maßnahmen, wobei Einsparungen aber ein größeres Gewicht haben sollten.
Grundsätzlich scheint den Bürgern klar zu sein, dass der Krise ohne Maßnahmen auf der Ausgaben (Sparen) und/oder der
Einnahmenseite (Steuern) nicht beizukommen ist, ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Harris Interactive und
der Financial Times. Befragt wurden jeweils rund 1.000 Bürger der fünf großen europäischen Länder Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Spanien und den USA.
Steuererhöhungen – nein, danke
Die Bundesbürger liegen damit auf einer Linie zu den Aussagen der in den anderen europäischen Ländern Befragten.
Durchschnittlich sind 42 Prozent fürs Sparen, 37 Prozent hauptsächlich fürs Sparen. Lediglich 6 Prozent favorisieren
ausschließlich steuerliche Maßnahmen. Auch in den USA ist die Bereitschaft, Steuererhöhungen zur Reduzierung des eigenen
immensen Staatsdefizits zu akzeptieren, kaum wesentlich höher. Auch dort plädiert die Mehrheit (41 Prozent) fürs Sparen
und 34 Prozent für einen Maßnahmenmix mit Schwerpunkt Ausgabenkürzung.
Auch Italiener und Spanier wollen sparen
Interessant auch ein Blick auf die beiden Sorgenkinder der Europäischen Union – Italien und Spanien. Auch hier sind
42 beziehungsweise 48 Prozent eher für staatliche Sparmaßnahmen als für ein Anziehen der Steuerschraube. Am größten ist
mit 12 Prozent noch die Bereitschaft der Briten, notfalls mehr Steuern zu zahlen – allerdings möchten auch hier 27 Prozent
lieber eine Kombination aus beiden Maßnahmen, ebenfalls 27 Prozent sind bereit, auf Leistungen des Staates zur Verringerung
des Haushaltsdefizits zu verzichten.
Mehrheit will Reiche stärker belasten als Geringverdiener
Drei von vier Deutschen (74 Prozent) meinen, für sie und ihre Familien seien die Auswirkungen von Sparbemühungen der
Regierung bereits spürbar, 12 Prozent von ihnen sehen sogar deutliche Auswirkungen. Etwa jeder Vierte (26 Prozent) gibt an,
von klammen Haushaltskassen persönlich (zumindest noch) nichts zu spüren.
82 Prozent der Deutschen sind dafür, Besserverdienende steuerlich stärker zur Schuldenbekämpfung heranzuziehen als
Geringverdiener. Lediglich 14 Prozent sind gegen diese Maßnahme. Wenn es sein muss, würden die meisten Deutschen
(57 Prozent) am liebsten bei der Verteidigung sparen, auf Platz zwei der Kürzungsliste steht demnach die Entwicklungshilfe
(51 Prozent).
Diese Mitteilung ist mit Quellenangabe zur Verwendung frei.
Methodologie
Die Umfrage wurde online von Harris Interactive durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 6.242 Erwachsene in Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und USA zwischen dem 21. und 28. Juni 2011. Durch eine Propensity-Gewichtung
werden die Angaben der Befragten an die allgemeine
Bevölkerungsstruktur angepasst, so dass die Ergebnisse der Online-Befragung als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung
angesehen werden können, sowohl in Bezug auf Einstellungs- und Verhaltensmerkmale als auch auf demografische Merkmale.
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